Erfolg durch morgendliche Routine?

Warum das Aufwachen um 5 Uhr morgens Dich nicht – zwingend – erfolgreich macht

Willst Du erfolgreich sein, sagen viele Experten, dann solltest Du (a) morgens um 5 Uhr aufstehen, (b) eine kalte Dusche nehmen, (c) meditieren, (d) Weiterbildung betreiben, (e) Deine Ziele überprüfen und visualisieren, (f) Nachrichten lesen und (g) ein proteinreiches Frühstück zu Dir nehmen.

Wow! Da ist eine Menge zu tun, bis der Tag starten kann.

Ich habe keine Ahnung, wann sich dieses Dogma der Morgenroutine zu verbreiten begann – aber heute sind diese ellenlangen Checklisten überall im Netz zu finden.

Sind diese aber auch wirklich für alle hilfreich?

Routinen können großartig und eine echte Hilfe sein, keine Frage. Ich denke aber, dass die Betonung auf den „Morgen“ nicht für alle gilt. Jeder Mensch hat andere Spitzenzeiten. Wenn Du Deine Produktivität steigern willst, spielt es keine Rolle, ob Du eine Lerche oder eine Eule bist. Stattdessen liegt es an Dir, das Beste dann aus Deinem Tag zu machen und zu lernen, wann Du am produktivsten bist. Brian Tracy nennt das prime time: „Ihre prime time ist die Tageszeit, wenn Sie am wachsamsten und produktivsten sind.“ Die Nutzung dieses Zeitpunktes kann Deine Produktivität steigern. Die bist dann effektiver und sparst letztendlich wertvolle Zeit und Energie.

Wie man seine „magischen Stunden“ ermittelt

Wissenschaftler untersuchen schon längere Zeit die natürlichen Zyklen des Körpers im Rahmen der Chronobiologie. Der circadianer Rhythmus beeinflusst unseren Schlaf- und Wachrhythmus, unsere Körpertemperatur und unseren Hormonspiegel. An einem durchschnittlichen Arbeitstag haben wir es jedoch mit den Spitzen und Tälern ultradianer Rhythmen zu tun, die im 90-120-Minuten-Takt ablaufen (ultradianische Rhythmen erklären übrigens, warum man eine Aufgabe voller Energie und Motivation beginnen kann, dann jedoch 2 Stunden später soziale Medien „überprüft“ oder nach etwas Essbarem oder nach Kaffee Ausschau hält). Kurz gesagt: Energiespitzen und Energieeinbrüche sind normal (und unvermeidbar). Daher ist es wichtig, den eigenen Rhythmus zu kennen und mit ihm, anstatt gegen ihn zu arbeiten. Die Autorin Yulia Yaganova schlägt ein dreiwöchiges Experiment vor, bei dem Du Deine Energie, Konzentration und Motivation am Ende jeder Stunde mit einer Skala von 1 bis 10 bewertest.

Das Ausfüllen von Produktivitäts-Tabellen und Energieprofilen mag langweilig klingen, aber Du wirst schnell Muster erkennen (kleiner Tipp am Rande: Anomalien, wie eine schlaflose Nacht oder eine schlimme Erkältung einfach nicht bewerten) und dann Deine Dir eigene prime time identifizieren. Eine morgendliche Routine, die für einen Produktivitäts-Guru funktioniert, muss eben nicht zwingend auch für Dich funktionieren.

Strukturiere Deinen Zeitplan

Unternehmer und Investor Paul Graham sagt, dass die meisten Berufsbilder einen von zwei verschiedenen Arbeitsstilen bzw. Zeitplänen erfordern: den Zeitplan des Managers und den Zeitplan des Umsetzers: „Der Zeitplan des Managers ist für Führungskräfte. Hier wird jeder Tag in einstündige Intervalle aufgeteilt. Sie können mehrere Stunden für eine einzelne Aufgabe blocken, aber normalerweise ändern Sie jede Stunde Ihre Tätigkeit.” Autoren, Programmierer, Designer und andere Kreative benötigen jedoch einen Zeitplan, der die Zeit mindestens in Halbtagseinheiten aufteilt. Wie Du wahrscheinlich schon selbst oft genug erlebt hast, ist es schwierig, in einem einstündigen Zeitfenster kreativ zu sein – besonders wenn Meetings vor oder direkt nach dieser Stunde stattfinden. Den Zeitplan für einen Umsetzer zu überplanen, kann den ganzen Tag zunichte machen und tötet dessen Produktivität: „Wenn ich z.B. weiß, dass der Nachmittag unterbrochen wird durch Meetings, Telefonate, kleinere Aufgaben, ist es bei mir wenig wahrscheinlich, dass ich am Morgen eine anspruchsvolle Aufgabe beginne. Ich weiß, das mag überempfindlich klingen, aber wenn Du ein „Umsetzer“ bist, denke an Deine eigene Situation. Wäre es nicht cool, einen ganzen Tag ungestört zu arbeiten, ohne Termine dazwischen?

Kleiner Tipp: Die Welt ist nicht immer schwarz oder weiß. Deshalb darfst Du entscheiden, wie Du Deinen Zeitplan organisiert. Es kann durchaus Sinn machen, einen Tag in 2 Teile zu teilen: Morgens als Umsetzer und nachmittags wie ein Manager arbeiten – alles ist machbar.

Nutze Pausen

Wochenenden sollten grundsätzlich frei sein, ebenso wie regelmäßige, erholsame Ferien zwingend notwendig sind. Zudem solltest Du sicherstellen, immer wieder Zeit und Raum für Dein Alleinsein zu schaffen. Das kann viele Formen annehmen, wie z.B. einen täglichen Spaziergang, um Dein Gehirn wieder neu auszurichten und um das Denken zu verlassen, an dem Du in den letzten ein oder zwei Stunden gearbeitet hast.

Schütze Deine prime time

Deine Hochleistungsphasen sind unbezahlbar. Ziehe klare Grenzen und schützen diese unbedingt. Nutze diese Zeit für Deine schwierigsten, kreativsten oder gehirnintensivsten Aufgaben. Buche keine Besprechungen in dieser Zeit und vermeide jede Art von Störung. Konsequente Gewohnheiten können auch Deine prime time sichern. Verfolge Deine natürlichen Rhythmen und erstelle einen Plan, der für Dich funktioniert. Die prime time ist Deine Geheimwaffe für Deine Produktivität, Zeit und Zufriedenheit. Nutze diese weise und Du kannst davon ausgehen, dass Deine Produktivität und Zufriedenheit in die Höhe schnellen werden.

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