Paul und seine Leitziele

Es war ein schöner Nachmittag, den die beiden Familien von Eddy und Paul miteinander verbracht hatten. Die Sonne schien, die Kinder hatten die Eltern ausnahmsweise in Ruhe gelassen und der Kaffee und der von Monia selbst gebackene Kuchen schmeckten allen wunderbar. Und irgendwie kamen Paul und Eddy auf ein Thema zu sprechen, das Eddy schon lange beschäftigte:

Wie kann ein gelungenes Leben aussehen? Wie kann ein Leben so ausgerichtet werden, dass man das Gefühl hat, ein gutes und erfolgreiches Leben zu führen?

Eddy wusste, dass Paul sich schon seit langer Zeit mit dem Thema der Transaktionsanalyse beschäftigte. Beide kamen immer wieder mal darauf zu sprechen und Eddy fand das, was Paul ihm so begeistert erzählte, immer spannend und nachdenkenswert. Und da nur noch wenig Zeit an diesem Nachmittag zur Verfügung stand, erzählte Paul in aller Knappheit, wie die Transaktionsanalyse ihm Orientierung gibt.

Paul: Weißt Du Eddy, wenn Du Dich mit der Transaktionsanalyse beschäftigst, werden mindestens 2 Dinge passieren: Erstens wirst Du sehr viel über Dich selbst erfahren, was auf der einen Seite manchmal sehr schmerzlich, aber auf der anderen Seite auch sehr befreiend sein wird. Und zweitens werden Dir die Gedanken-Modelle der Transaktionsanalyse Leitlinien an die Hand geben, wie Du Dein Leben gestalten kannst. Da ein ganz zentraler Gedanke der Transaktionsanalyse die Autonomie ist, sind diese Leitlinien jedoch nur Angebote, die Du annehmen kannst, aber nicht annehmen musst.

Eddy: Mensch Paul, nun spann mich doch nicht so auf die Folter. Komm zur Sache!

Mit einem Lächeln auf den Lippen begann Paul von seinen Lebens-Leitlinien zu erzählen: Letztlich habe ich eine für mich mutige Entscheidung getroffen. Nämlich die, Verantwortung für meine Bedürfnisse, meine Gefühle, meine Beurteilungen und meine Entscheidungen zu 100% selbst zu übernehmen. Das schließt dann in letzter Konsequenz die folgenden Überlegungen mit ein:

Die Realität einfach so zu sehen, wie diese eben ist, dabei aufrichtig und ehrlich mit den Mitmenschen und mit mir selbst umzugehen. Den anstehenden Problemen nicht auszuweichen, sondern ihre Lösung eigenständig anzupacken. Außerdem habe ich beschlossen, aus allen, auch aus unangenehmen und schmerzlichen Erfahrungen, zu lernen, durch sie zu wachsen und sie nicht zu verdrängen. Zudem möchte ich mich vermehrt mit sozialen und umweltbezogenen Problemen befassen. Und, Eddy, um gleich allen Missverständnissen vorzubeugen, das sind Leitlinien für mich, quasi Leuchttürme, an denen ich mich orientiere. Erreicht habe ich den Wunschzustand noch lange nicht. Und mit einem Lächeln auf den Lippen setzte er fort: Das hast Du ja auch schon leidvoll immer wieder mal mit mir erlebt.

Eddy: Ok, ich glaube, dass ich ungefähr verstanden habe. Aber kannst Du mir das noch ein bisschen genauer erklären?

Paul: Kein Problem. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir nicht in jeder Hinsicht selbst verantwortlich für unser Schicksal sind. Aber wir sind dafür verantwortlich, wie wir uns mit der Realität auseinandersetzen, und zwar emotional und kognitiv. Gleichzeitig bedeutet Eigenverantwortlichkeit für mich, jedwede Form von dauerhaften Abhängigkeiten – die Transaktionsanalyse spricht hier von symbiotischem Verhalten -, auch wenn diese manchmal sehr bequem sein können, zu vermeiden.

Zwar können wir Menschen nur mit einem einigermaßen stabilen Bezugsrahmen leben, selbst, wenn wir ihn nicht in Worten beschreiben können. Aber wir können uns offen halten gegenüber neuen Erfahrungen, die seine Erweiterung, Korrektur oder sogar Umgestaltung nahelegen. Wir dürfen unseren Bezugsrahmen jederzeit erproben, statt unter Leugnung der Realität auf ihm zu beharren und bei Erfahrungen, die ihm unübersehbar widersprechen, zu sagen: „Einmal ist keinmal!“ oder „Die Ausnahme bestätigt die Regel!“.

Zur Ehrlichkeit und Redlichkeit in mitmenschlichen Beziehungen gehört für mich vor allem die Gestaltung der mitmenschlichen Beziehungen und Kommunikation ohne das Spielen psychologischer Spiele. Das schließt für mich das direkte und zeitnahe, in allen Fällen jedoch wertschätzende Ansprechen von Sachverhalten und eigenen Wahrnehmungen ein. Aber nach Möglichkeit immer so, dass der andere damit nicht überfordert wird. Zur Redlichkeit gehört für mich auf jeden Fall auch, dass ich allen anderen Mitmenschen diese Autonomie auch zugestehe – was zugegebenermaßen nicht immer leicht ist.

Das Prinzip der Autonomie bedeutet für mich persönlich, dass ich alles daran setze, meine eigenen Probleme anzuerkennen und meine eigenen Lösungsmöglichkeiten zu erkennen und nicht auszublenden. Die Transaktionsanalyse hat auch hierfür, wen wunderts, ein Modell. Es nennt sich Discounting. Ich bin der festen Überzeugung, dass jeder fähig ist, seine alltäglichen Probleme ohne symbiotische Ansprüche selbst zu lösen.

Eric Berne selbst hatte zur Autonomie im weiteren Sinn auch die Erfüllung der politischen Verpflichtungen als Bürger gezählt. Das sehe ich für mich genau so. Das Auseinandersetzen mit Umwelt-Problemen ist aus meiner Sicht heute eine Verantwortung, mit der wir dafür sorgen müssen, dass auch unsere Kinder eine noch lebenswerte Umwelt vorfinden.

Eddy: Wow! Vielen Dank Paul. Da habe ich jetzt aber jede Menge Stoff zum Nachdenken. Ich glaube, das mit der Transaktionsanalyse ist echt anstrengend!

Paul: … und echt lohnend!

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