Sei stark!

 

Typ: Kämpfer, Konkurrent

Bedürfnis: Allein zurechtkommen, alles unter Kontrolle haben, keine Schwäche zeigen

Positiver Aspekt: Einfluss, Stärke, Unabhängigkeit

Menschen, die von diesem Antreibertyp beherrscht werden, haben gelernt, kein Zeichen der Schwäche zu zeigen. Sie verbergen ihre Gefühle vor anderen, sind zurückhaltend, manchmal sogar stoisch. Sie verstehen es, sich zu beherrschen und vermitteln nach außen vor allem eines: Haltung, Durchhalte- und Durchsetzungsvermögen, Kontrolle. Ihre Lebensgestaltung ist geprägt von Härte und Heldentum: „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“. Aufgeben kommt für sie nicht in Frage. Naturgemäß fällt es ihnen schwer, fremde Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Mögliche Hinweise auf diesen Antreiber finden sich in ihrer Sprache und Sprechweise, die Unangreifbarkeit dokumentiert. Es scheint, als gingen sie zur eigenen Empfindsamkeit und der anderer auf Distanz. Dazu passt eine unbewegte, monotone Sprechweise oder dass sie grundsätzlich ungern sich selbst ins Spiel bringen. Stattdessen benutzen sie Worte wie „man“ oder andere Ausdrücke, mit denen sie von sich ablenken können: „Solche Situationen bringen einen ganz schön unter Druck!“, „Das freut einen ja dann doch!“.

Weitere Hinweise sind sparsame Gestik, ein irgendwie unlebendiges, starres Erscheinungsbild, z.B. ein unbewegtes, maskenhaftes Gesicht (Pokerface) und eine kontrollierte, verschlossene, aufrechte Körperhaltung. Sie erwecken einen eher angespannten Eindruck, als wollten sie ihre Umgebung im Auge behalten, um jederzeit gewappnet zu sein.

Der Sei-stark-Antreiber führt dazu, dass sich leicht Kollegen und Mitarbeiter unter Druck gesetzt fühlen. Sie bekommen Angst oder werden wütend. Denn es scheint schnell untergründig um Kampf, Kontrolle und Überlegenheit zu gehen. Manche kämpfen mit, andere ziehen sich ängstlich zurück oder beschwichtigen. Als unausgesprochenes Gesetz scheint zu gelten: „Wer nicht aufpasst, wird verlieren, sich unterwerfen oder kontrollieren lassen. Sorg dafür, dass du nicht dazu gehörst!“ Der eine gewinnt, der andere verliert. Konkurrenz bedeutet nicht sportliches Messen aneinander, sondern immer distanzierendes Kämpfen gegeneinander. Für menschliche Begegnungen und mitmenschliche Nähe ist selten Platz. Die Sehnsucht nach Entgegenkommen, Vertrauen und Fürsorge bleibt ungestillt.

Menschen mit diesem inneren Antreiber tendieren dazu, Sicherheit durch bestimmtes und bestimmendes Auftreten und durch die Kontrolle von Emotionen erreichen zu wollen. Sie vermeiden Verwundbarkeit, Verletzlichkeit und Abhängigkeit von anderen. In emotional bedeutsamen Situationen befürchten sie, nicht stabil genug zu sein. Gefühlsmäßiges Bezogensein und Sich-Einlassen auf Menschen und Situationen, über die man nicht die Kontrolle behalten kann, werden als Unterwerfung und Schwäche missverstanden.

Sei-stark-Menschen können kurzfristig außerordentliche Leistungen vollbringen. Sie haben einen Sinn für den kraftvollen Umgang mit Aufgaben und genügend Widerstandskraft und Kampfgeist, um Dinge voranzubringen, auch wenn es schwierig ist. Unter ihnen finden sich die Helden und Heldinnen des Alltags.

Aber, was tun, wenn der Antreiber zu sehr antreibt? Ist man dem Antreiber dann auf Gedeih und Verderb ausgeliefert? Nein – wir dürfen uns dann die Erlaubnis zusprechen (lassen), im Sinne der Autonomie zu denken, zu fühlen und zu handeln.

TA