Transaktionen

Eric Berne geht davon aus, dass eine Botschaft von einem Menschen zum Anderen aus einer bestimmten Haltung (ICH-Zustand) heraus erfolgt und sich an einen bestimmten ICH-Zustand im Anderen richtet.

Somit gibt es Botschaften, die sich beispielsweise aus dem Eltern-ICH des Einen an das Kind-ICH oder aber aus dem Erwachsenen-ICH des Einen an das Erwachsenen-ICH des Anderen richtet.

In der Transaktionsanalyse werden dabei verschiedene Transaktionsmuster unterschieden:

Komplementäre bzw. parallele Transaktionen

Transaktionen werden komplementär genannt, wenn Ansprache und Antwort parallel verlaufen. Für solche Transaktionen gilt die 1. Kommunikationsregel der Transaktionsanalyse:

Wenn Reiz und Reaktion auf parallelen Linien verlaufen, dann ist die Transaktion komplementär (d.h. sie ergänzt sich selbst immer wieder von neuem) und kann endlos weitergehen.

Dieses sich immer wieder von neuem Ergänzen erklärt sich damit, dass die Reaktion jeweils dem entspricht, was die den Reiz aussendende Person erwartet hat. Damit eine Transaktion als komplementär bezeichnet werden kann, muss sie sich nicht zwischen zwei gleichen Ich-Zuständen abspielen. Es wird lediglich gefordert, dass die Pfeile im Transaktionsschema parallel verlaufen.

Beispiele

A: „Ich möchte Sie über den Termin des nächsten Meetings informieren. Es findet morgen um 13.15 Uhr statt.“ (Erwachsenen-ICH fragt Erwachsenen-ICH)

B: „Vielen Dank, das notiere ich mir gleich in meinem Kalender.“ (Erwachsenen-ICH antwortet Erwachsenen-ICH)

A: „Sag mal, musst du dich immer so daneben benehmen?“ (Eltern-ICH fragt Kind-ICH)

B: „Ich frag doch nicht ständig nach anderen!“ (Kind-ICH antwortet Eltern-ICH)

Unstimmige bzw. gekreuzte Transaktionen

Für eine gekreuzte Transaktion gilt die 2. Kommunikationsregel der Transaktionsanalyse:

Wenn Reiz und Reaktion sich überkreuzen, wird die Kommunikation unterbrochen.

Hier gibt es zahlreiche Kombinationsmöglichkeiten der angesprochenen ICH-Zustände. Meist führen diese Transaktionen zu Konflikten. Die häufigste Ursache einer gekreuzten Transaktion ist die „Ich bin nicht ok“- oder „Du bist nicht ok“-Einstellung einer der Beteiligten. Bei Menschen, die oft aus dem Kindheits-ICH agieren, hat diese Lebensanschauung zu Folge, dass sie sich ständig angegriffen fühlen. Sie interpretieren in alles, was ihnen entgegengebracht wird, eine negative Absicht hinein. Ausgelöst wird dies durch die tiefe Überzeugung, nicht o.k. zu sein. Selbst positive Äußerungen deuten solche Menschen um, damit sie in ihr Weltbild passen.

Ähnlich ergeht es nicht o.k.-Menschen, welche oft aus dem Eltern-ICH agieren. Ihre nicht o.k.-Einstellung versuchen sie zu kompensieren, indem sie sich in einer Transaktion auf den Standpunkt „du bist nicht o.k.“ zurückziehen. Sie versuchen ständig, negative Seiten des Anderen zu finden. Dies ermöglicht ein Überlegenheitsgefühl, welches zumindest kurzfristig das eigene „nicht o.k.“ erträglicher macht.

Beispiele

A: „Was haben Sie sich eigentlich bei dieser Aktion gedacht?“ (Eltern-ICH spricht Kind-ICH an)

B: „Und was erlauben Sie sich eigentlich, so mit mir zu reden?“ (Eltern-ICH antwortet und spricht das Kind-ICH des anderen an)

A: „Wollen wir in diesem Jahr vielleicht einmal in den Bergen Urlaub machen?“ (Erwachsenen-ICH stellt eine Frage an das Erwachsenen-ICH des anderen)

B: „Immer geht es nur um Dich bei der Urlaubsplanung!“ (Kind-ICH antwortet)

Transaktionen mit unterschwelligen Botschaften

In vielen Gesprächen finden „verdeckte Transaktionen“ statt. Daran sind mehrere ICH-Zustände beteiligt, wobei zwei davon „offen“ sind, die anderen aber verdeckt wirken.

Wichtig zum Verständnis dieser Transaktionen ist der Umstand, dass das gesprochene Wort abweichend ist von dem, was  wirklich gemeint ist. Die Kommunikation findet auf 2 Ebenen statt: 1.) die Sachebene (was wirklich gesprochen wird) und 2.) die psychologische, auch Beziehungsebene (was wirklich gemeint ist). Das klingt auf den ersten Blick sehr theoretisch und kompliziert, entspricht aber genau dem,. was wir tagtäglich erleben. Tiere „kommunizieren“ nur über die Beziehungsebene. Menschen sind durch Sprache jedoch fähig, etwas ganz anderes zu sagen, als empfunden oder gemeint ist.

A: „Das ist die dritte Scheibe Brot.“ (Auf den ersten Blick eine Aussage vom Erwachsenen-ICH an das Erwachsenen-ICH des anderen, aber durch einen unterschwellig vorwurfsvollen Ton eigentlich eher eine Ermahnung vom Erwachsenen-ICH an das Kind-ICH des anderen, nicht so viel zu essen.)

B: „Du hast dich verzählt.“ (Scheinbar antwortet das Erwachsenen-ICH, aber durch den unterschwelligen Ton wird der trotzige Tonfall vom Kind-ICH erkennbar.)

Um solche verdeckten Transaktionen zu erkennen, empfiehlt es sich, auf Körpersprache, Gestik, Mimik, Tonfall und ähnliches achten, denn dort zeigen sich die verdeckten ICH-Ebenen.

Für verdeckte Transaktionen spielen vor allem auch bereits gemachte Erfahrungen der Kommunikationspartner eine Rolle. Wer mit jemandem zusammenlebt, der eine starke Tendenz hat, den anderen ständig zu erziehen, wird seine Äußerungen sehr viel empfindlicher deuten, als ein Außenstehender, der sich dann oft über die heftige Reaktion auf eine scheinbar harmlose Äußerung erstaunt zeigt.

Winkeltransaktionen

Unter einer Winkel-Transaktion versteht man eine sogenannte unterschwellige Verführung. Damit sind Botschaften gemeint, bei denen der Sender vom Erwachsenen-ICH ausgeht, sich vordergründig auch an das Erwachsenen-ICH des Gesprächspartners wendet, hintergründig und gleichzeitig aber auch an dessen Kind-ICH. Eine solche Botschaft will den Angesprochenen verführen. Derartige Verführungen werden oft im Verlauf von Verkaufsgesprächen eingeleitet.

Beispiel: A: „Nehmen Sie doch ruhig noch ein Stück Torte! Das allein wird Sie nicht dick machen!“ Die Antwort darauf könnte, bei erfolgreicher „Verführung“ lauten: B: „Stimmt, einmal ist keinmal!“ A spricht vordergründig ganz sachlich; im Grunde genommen wendet er sich aber an das verführbare Kind-ICH von B. Die unterschwellige Verführung wird auf dem Bild links durch einen Winkel in der Richtung der Botschaften veranschaulicht und deshalb auch als Winkeltransaktion bezeichnet.

Doppelbödige Transaktionen

Bei der Analyse von Kommunikationen spielen doppelbödige Botschaften und Transaktionen eine besondere Rolle.

Nehmen wir an, Helga sagt zu Fritz, der am Schreibtisch arbeitet: „Heute ist schönes Wetter!“ Unterschwellig denkt sie jedoch: „Ich möchte heute unbedingt segeln gehen!“ Fritz antwortet vielleicht: „Ich bin nicht sicher, ob es anhalten wird“ und denkt sich dabei: „Ich habe keine Lust, segeln zu gehen!“ Es handelt sich dabei um eine doppelbödige Botschaft: in Worten ausgesprochen ein Austausch von Informationen von Erwachsenen-ICH zu Erwachsenen-ICH, unausgesprochen jedoch ein Austausch von Botschaften, bei denen es um Lust und Unlust geht.

Besonders gefährlich ist es, wenn verbale Botschaften von wichtigen Bezugspersonen im Widerspruch zur Gestik und Mimik sind. Man spricht in diesem Zusammenhang von Doppelbindung (englisch: double bind). Dabei handelt es sich um widersprüchliche Kommunikation beziehungsweise um ein Auseinanderklaffen von Sagen und Meinen.

Kommunikationsregeln nach Berne

Berne hat 3 Kommunikationsregeln aufgestellt, die auf seiner Lehre von den Transaktionen aufgebaut sind:

  1. Bei zwei Kommunikationspartnern, bei denen die Transaktionen parallel verlaufen, fixieren sich gewöhnlich beide in ihrem jeweils aktivierten Ich-Zustand.
  2. Wenn eine Kommunikation zusammenbricht, kann dies Folge einer gekreuzten Transaktion sein.
  3. Das was auf eine doppelbödige Transaktion folgt, richtet sich eher nach dem, was auf der unterschwelligen Ebene vorgegangen ist.

TA